Was ist denn ein Didgeridoo überhaupt?

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Das Didgeridoo (eigentlich richtig; der Didgeridoo, da es traditionell der männlichen Energie des Kosmos zugeordnet ist) ist ein obertonreiches, im traditionellen Zusammenhang überwiegend rhythmisch eingesetztes Begleitinstrument für Gesänge und Tänze. Basierend auf einem in der Tonhöhe nur leicht variierten Grundton und überblasenen Tönen, entsteht die klangliche und rhythmische Vielfalt durch Kombinationen aus Mundbewegungen, Atemtechnik und Stimmeffekten.

Es wird zumeist aus einem von Termiten ausgehöhlten Stamm lokaler Eukalyptusarten gefertigt, besitzt ein individuelles Mundstück (meist aus Bienenwachs) und wird traditionell verziert - Vereinzelte Exemplare für besondere zeremonielle Funktionen sind aufwändig bemalt, diese Art der Bemalung wird inzwischen jedoch meist speziell für den touristischen Verkauf angefertigt. Leider werden Didgeridoos seit einigen Jahren auch in Massenproduktion hergestellt - Aborigines haben damit so gut wie nichts zu tun, und verdienen auch nichts daran - das Holz wird vorwiegend von Weißen bearbeitet, die Bemalung stammt von Asiaten! - in Aborigines-stil. Dafür kommen sie in Europa billig auf den Markt. Mit ein wenig Erfahrung kann man leicht den Unterschied an der Bemalung erkennen. Es gibt auch kleinere Herstellungsbetriebe in denen Aborigines arbeiten und malen.

Nachweislich wird das Didgeridoo seit mehr als 7000 Jahren von den Stämmen in Arnhemland (östlich von Darwin) benutzt –  und traditionell nur dort!

Auch das Wort Didgeridoo gibt es in keiner Ureinwohnersprache. Didgeridoo ist eine Bezeichnung, die von uns „Weißen“ kommt. Die Ureinwohnern haben viele Namen (z.B. djalupu, djubini, ganbag, gunbarrk, gamalag, maluk, yirago, yiraki, yidaki und yedaki) für „unser“ Didgeridoo. Die gebräuchlichsten sind "Yidaki" und "Wonga" – am meisten verbreitet ist Yidaki.


 

Als das primäre Musikinstrument im nördlichen Aborigine-Kulturkreis wird das Didgeridoo traditionell für jede Form von Musik eingesetzt, von Kinderliedern über so genannte „offene“ Zeremonien bis hin zu geheim-heiligen Ritualen, deren Einhaltung die Existenz des Landes oder Lebens sichern sollen.

Das Didgeridoo war und ist für die Ureinwohner weit mehr als nur ein Instrument – es gilt auch als Lehrer und mächtiger Heiler. Dies mag uns eigenartig erscheinen, aber die Kultur der australischen Ureinwohner ist viel komplexer und vielschichtiger als wir uns das vorstellen können.
Die einzigen ganzheitlichen ethnologischen Aufzeichnungen wurden vom deutschen Missionar Carl und seiner Frau Frieda Strehlow vor über 100 Jahren getätigt. Durch Respekt für die Kultur der Ureinwohner, sowie durch das erlernen der Sprache, war es ihnen möglich einen sehr tiefen Blick in das Leben und Weltbild der Ureinwohner von Zentralaustralien zu werfen. Leider sind die wenigen Auflagen ihrer Aufzeichnungen vergriffen und die Originale liegen unter Verschluss in australischen Archiven. Einen kleinen Einblick vermittelt das Buch Wüstentanz (Australien spirituell erleben), Strehlow Verlag, ISBN 3-929735-01-6

 

Wie wird nun so ein Didgeridoo gespielt?

Das Didgeridoo wird mit "flatternden" Lippen sanft angeblasen. Die Lippenkontrolle ist für die Kraft und Dynamik des Grundtones entscheidend, weniger die Luftmenge oder Anblasstärke.

Es wird entweder eine Seite oder die Mitte des Mundes locker an das Mundstück gelegt , so dass etwa zwei Drittel der Lippen im Rohrinneren verschwinden (Schmollmund) . Dann bläst man leicht und lässt die Lippen locker vibrieren . „Springt das Instrument an“, das heißt dringt ein lauter tiefer  Ton aus dem Didge , wurde der Grundton richtig getroffen .

 

Wie Klangveränderungen entstehen

sprachähnliche Artikulationen (Anschläge wie „d,t,k,g“, Zungenroller wie „r“ und vokalartige Töne wie „a,e,i,o,u“ u. v. m.)

Verengungen des Mundraumes (Zunge, Wangen, Unterkiefer)

Veränderung des Anblasdruckes in Verbindung mit instrumenteneigenen Resonanzen (Erhöhung/Erniedrigung des Grundtones, Trompetentöne, räsonierende Zungenschläge)

Einsatz der Stimme (als lauter Schrei oder als sanfte Stimme zur Erzeugung einer „Schwebung“, eines rauen Tones)

Auf dem Grundton wird einfach die Singstimme draufgesetzt. Man singt einen oder mehrere
Töne die mit einem Vokal enden .zB. hu ,ha ,ho, la, lo ,hua ........

Also alles ist erlaubt : singen , schreien , sprechen , Zungen-Rrr und Rachen-Rrr, zB rrrriu

Ebenso lassen sich Tierstimmen imitieren …

 


Spieltechnik

Durch die Technik der Zirkularatmung können die Klangelemente ohne Atempause nahtlos aneinander gefügt werden. Bei der Zirkularatmung wird die Luft aus dem Mundraum herausgedrückt, während durch die Nase geatmet wird. Das Musizieren ist ein ausgezeichnetes Training für Hals- Mund- und Atemmuskulatur.

Das Didgeridoo wird traditionell meist sitzend oder hockend gespielt, wobei das Ende am Boden aufliegt. Oft klopft der Bläser mit den Fingern oder mit einem Klangstab (Clapstick oder „bilma“) rhythmische Figuren dazu.

Um die Zirkuläratmung leicht zu erlernen eignet sich hervorragend die „Strohhalm-Methode“.
Man nimmt dazu einen Strohhalm und versucht möglichst gleichmäßig in einem Wasserglas Blasen zu erzeugen. Je nachdem wie weit der Strohhalm in das Wasser eintaucht, kann man mit den unterschiedlichsten Druckverhältnissen üben.


 

Rhythmus

Die meisten Rhythmen ergeben sich aus der Kombination Atmung, Wangendruck, Obertöne (Zungenstellung) und dem Formulieren nicht gesprochener Silben.
Für Rhythmen eignen sich besonders folgende Silben: Di, Da, Do, Dou, Wou, Li,La, Lo, Gi, Ga, Go, Rri, Rra, Rro.....und Kombinationen derselben – der Kreativität sind wahrlich nahezu keine Grenzen gesetzt .. ;-)


 

Wie baue ich mir nun selbst so ein Didgeridoo?

Als „Aerophon“ ist ein wichtiges klangbildendes Element des Didgeridoos die schwingende Luftsäule. Die Länge und Form dieser Luftsäule bzw. die Abfolge verschiedener Volumina, gebildet durch Verengungen, Aufweitungen, Fraßspuren etc., ist entscheidend für das Klangbild des jeweiligen Instrumentes.

Bereits eine einfache zylindrische Röhre reicht für die grundsätzliche, didgeridootypische Klangbildung aus. Daher kann der Klangeffekt des Didgeridoos genauso aus Röhren erzeugt werden, die aus einem anderen Material gefertigt sind, wie Pappe, Glas, Kunststoffe ….

 

Für die ersten „Gehversuche“ auf einem Didgeridoo bietet sich ein „graues“, ca 100cm langes Plastikbflussrohr aus dem Baumarkt regelrecht an.

Man benötigt als Mundstück lediglich ein wenig Bienenwachs – dieses formt man zuerst in der Hand zu einer „Schlange“, legt diese um das gewünschte Ende des Rohres und drückt es dann genau nach Wunsch zurecht – fertig.

Da so ein graues Plastikrohr aber nicht gerade ästhetisch aussieht, ist eine künstlerische Gestaltung ja gerade zu ein muss  …

Auch da sind der Kreativität nahezu keinerlei Grenzen gesetzt: Pappmasche, Klebebänder, Gips, Farbstifte, usw usw

Für handwerklich Begabte stellt sicherlich die Herstellung eines Didgeridoos aus heimischen Hölzern eine besondere  Herausforderung dar. Meist wird dafür als „Technik“ die „Teilung“ des Werkstückes in der Längsachse gewählt, da eine „Kernbohrung“ eher nicht zielführend ist.  Anschließend wird entlang des „Kernes“ bei den beiden Hälften die gewünschte Menge Material mit einer Oberfräse entfernt und per „Handarbeit perfektioniert“ – nach dem Zusammenleimen bekommt man dadurch ein nahezu „perfektes einheimisches“ Didgeridoo ;-)

 

Mein „Mundstücksgeheimtipp“ ist die Anfertigung aus Heißkleber – dies erfordert aber sehr viel „Heißklebergeschick“ und Wärmeunempfindliche Finger … ;-))

 

Ach ja - bei uns im Haus wird natürlich auch ordentlich ins Didge "geplappert" - und das nicht nur im Fasching, wo diese Bilder entsanden ... ;-)

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